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So wohnen

Mongolen am Rhein

 

Bruder Sinn (Klaus Simonis)

DER GEWITZTE BETTELMÖNCH

 Früher einmal ging ein Bettelmönch durch eine öde Gegend.  Tagelang hatte er keine Menschenseele getroffen und kein Almosen empfangen. Von Hunger und Durst geplagt, zog er erschöpft umher. Da sah er plötzlich in der Ferne eine Jurte. Voll Freude eilte er auf sie zu und klopfte an die Tür. Er sah sofort, dass hier eine wohlhabende Familie lebte.

Als er eintrat, war nur die Hausfrau da. Der hungrige Wanderer grüßte und setzte sich. Die Frau legte ein paar harte Aaruulstücke auf einen Teller, füllte eine Schale mit Milchtee und reichte beides dem Gast. Nach einer Weile nahm sie einen Topf mit alter Suppe und stellte ihn auf das Feuer. "Mein Mann wird gleich kommen", sagte sie, "ich muss das Essen kochen." Sie nahm ein paar Reiskörner und warf sie in die Suppe.

Nun ja, die Frau ist recht hübsch, überlegte der Mönch, aber anscheinend sehr geizig. Das werde ich gleich herausbekommen. Er hielt seinen Kopf schief und tat, als lausche er angestrengt. Plötzlich rief er: „He, he!“

„Was ist?“ fragte die Frau erschrocken.

„Ach, es ist nichts,“ entgegnete der Bettelmönch, "ich finde es nur komisch, dass der Reis überall mit anderen Wörtern kocht. Bei uns zum Beispiel flüstern die Reiskörner im Topf miteinander: Ich schwimme hierhin, du schwimmst dorthin.  Aber Eure Reiskörner rufen: Hallo! Wo bist du? Wo bin ich?  In dem großen Suppentopf sind sie so weit voneinander entfernt, dass sie sich fürchten, darum schreien sie so. Nun, das hörte ich und rief deshalb: „He, he!“

Der Hausfrau war es peinlich, dass der Gast ihren Geiz bemerkt hatte. Sie ging zum Feuer und schüttete nochmals Reis in die Suppe.

 

 

 

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Stand: 12. Oktober 2003