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So wohnen

Mongolen am Rhein

 

Bruder "Und" (Willi Werner)

DER VORSICHTIGE BETTELMÖNCH

In vergangener Zeit kam einmal ein Mönch in eine Jurte. Er hatte sehr lange nichts gegessen und konnte vor Hunger nicht stillsitzen. Die Hausfrau, die mit ihrer Tochter das Vieh molk, bereitete gleichzeitig das Abendessen zu.  Sie bat den Gast, ein wenig Geduld zu haben, der Reis sei noch nicht gar.

In der Jurte war es dämmrig. Der Mönch saß auf einem Kissen und wartete. Den Topf ließ er nicht aus den Augen. Nach einer Weile kam die Hausfrau herein, streute eine Handvoll weißer Kristalle in den Reis und ging wieder hinaus. Etwas später betrat die Tochter die Jurte, rührte das Essen um, schüttete zwei oder drei Handvoll Weißes in den Topf und ging zu den Ziegen zurück.

Traurig hatte der Mönch zugesehen. Der Reis wird so versalzen sein, dass ich ihn nicht essen kann, dachte er, und ich muss wieder mit leerem Magen übernachten.

Als die beiden Frauen die Ziegen gemolken hatten und auch der Reis gar war, setzten sie sich zu dem Gast.

„Reicht mir Eure Schale, ehrwürdiger Mönch, damit ich sie füllen kann“, forderte ihn die Hausfrau auf.

Der Angesprochene hielt nur zögernd seinen Napf hin und sagte: “Bitte nur halbvoll.“

Er kostete vorsichtig mit der Zunge.  Da schmeckte er die köstliche Süße!  Die Frauen hatten freigebig Zucker und Milch an den Reis getan. Was bin ich nur für ein Dummkopf, schalt sich der Mönch insgeheim, wie kann ich die Hausfrau ermuntern, mir nochmals von diesem Reis zu geben?  Er hob die Schale an den Mund und tat, als lecke er sie tüchtig aus.

Darüber freute sich die Frau, und sie sagte: „Reicht mir Eure Schale her, ehrwürdiger Mönch.“

Dieser tat wiederum bescheiden. „Bitte nur halbvoll“, bat er, und das sagte er so oft, bis er sieben Schalen Reis gegessen hatte.

 

 

 

 

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Stand: 12. Oktober 2003