DER VORSICHTIGE
BETTELMÖNCH
In vergangener Zeit kam einmal ein Mönch in eine
Jurte. Er hatte sehr lange nichts gegessen und konnte vor Hunger nicht
stillsitzen. Die Hausfrau, die mit ihrer Tochter das Vieh molk, bereitete
gleichzeitig das Abendessen zu. Sie
bat den Gast, ein wenig Geduld zu haben, der Reis sei noch nicht gar.
In der Jurte war es dämmrig. Der Mönch saß auf
einem Kissen und wartete. Den Topf ließ er nicht aus den Augen. Nach
einer Weile kam die Hausfrau herein, streute eine Handvoll weißer
Kristalle in den Reis und ging wieder hinaus. Etwas später betrat die
Tochter die Jurte, rührte das Essen um, schüttete zwei oder drei
Handvoll Weißes in den Topf und ging zu den Ziegen zurück.
Traurig hatte der Mönch zugesehen. Der Reis wird
so versalzen sein, dass ich ihn nicht essen kann, dachte er, und ich muss
wieder mit leerem Magen übernachten.
Als die beiden Frauen die Ziegen gemolken hatten
und auch der Reis gar war, setzten sie sich zu dem Gast.
„Reicht mir Eure Schale, ehrwürdiger Mönch,
damit ich sie füllen kann“, forderte ihn die Hausfrau auf.
Der Angesprochene hielt nur zögernd seinen Napf
hin und sagte: “Bitte nur halbvoll.“
Er kostete vorsichtig mit der Zunge.
Da schmeckte er die köstliche Süße!
Die Frauen hatten freigebig Zucker und Milch an den Reis getan. Was
bin ich nur für ein Dummkopf, schalt sich der Mönch insgeheim, wie kann
ich die Hausfrau ermuntern, mir nochmals von diesem Reis zu geben?
Er hob die Schale an den Mund und tat, als lecke er sie tüchtig
aus.
Darüber freute sich die Frau, und sie sagte:
„Reicht mir Eure Schale her, ehrwürdiger Mönch.“
Dieser tat wiederum bescheiden. „Bitte nur
halbvoll“, bat er, und das sagte er so oft, bis er sieben Schalen Reis
gegessen hatte.